Kavallerie von Hausser Standardserie

Hausser Elastolin Standardgröße Figurenmuseum Masse Figuren Mueller und Freyer Garde Kürassier Regiment 10 cm Serie 1908 bis 1912 Sammlung A. Schröder

Gestern noch auf stolzen Rossen

Haussers Kavallerie 1908-1930

von Asko Schroeder

 

“Gestern noch auf stolzen Rossen,

Heute durch die Brust geschossen,

Morgen in das kühle Grab.”

 

Wilhelm Hauffs “Reiters Morgenlied” von 1824 resümiert poetisch das zwischen Glanz, Gloria und der Aussicht auf einen anonymen Heldentod oszillierende  Lebensgefühl des Kavalleristen. Was der deutsche Staatsbürger und patriotischer Reservist seinem Kinde auf den Gabentisch legte, bildete in etwa genau diese Realität ab. Zumindest potenziell, da die Spielzeughersteller des Kaiserreichs die gesamte Bandbreite von Rekrutenausbildung bis zu letzter Ölung alles im Katalog führten, was man sich nur vorstellen konnte. Am umfassendsten ging wohl die Firma Hausser auf alle Aspekte soldatischen Lebens, Leidens und Sterbens ein. Der Feldwebel mit Notizblock war genauso im Sortiment zu finden wie der Feldkurat, der den sterbenden Kameraden den Segen mit auf die letzte Reise gibt.

 

Figurenmuseum Elastolin Hausser Mueller und Freyer 10 cm Mueller & Freyer 10 cm 1908-1912 später Hausser Elastolin
Hausser Elastolin figurenmuseum Hausser Mueller und Freyer 10 cm Gespannpferde

Haussers Kavallerie hat zwischen 1912 und 1930, bis zum Wechsel zu einer neuen Standardgröße einiges durchgemacht: Von der Friedensuniform im bunten Rock, über das eintönige Feldgrau der Kriegsjahre, über den Einheits-Stahlhelm der Reichswehr bis zurück zum bunten Rock, der zwischen 1928 und 1930 noch einmal die vergangene “Größe” aufleben und den verlorenen Weltkrieg vergessen ließ.

 

Es ist für den Sammler nicht immer ganz einfach, eine Hausser-Figur einer bestimmten Produktionsperiode zuzuordnen, deshalb hier nun der Versuch einer mehr oder weniger vollständigen Einordnung der Formen und Uniformen.

 

Es ist nicht ganz unumstritten, wann genau welche Figuren entstanden, die jeweilige Machart lässt aber zumindest eine indiziengeleitete Schlussfolgerung zu, die man als Sammler teilen mag oder auch nicht.

Die Anfänge

Hausser Elastolin Figurenmuseum "garde du Corps" 1912 bis1914 10 cm Sammlung A. Schröder

Die frühesten Kavalleristen kommen auf grünen Sockeln daher, offenbar als Ergänzung der recht klobigen und noch unbezeichneten Müller&Freyer Nachfolger um 1908 bis 1910. Lanzenreiter, wie Ulanen, Husaren und Dragoner hat es hier ohne Zweifel gegeben, wobei allerdings offen bleiben muss, in welchem Umfang welche Regimenter hier bereits abgedeckt wurden. Garde-Ulanen-Regimenter Preußens und Bayerns sind jedenfalls belegt. Man mag auch den berühmten General im langen Mantel zu dieser Serie zählen. Die dieser Periode entsprechende Gesichtsbemalung und recht rudimentäre Ausführung von Uniformdetails lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu.

Figurenmuseum Hausser Elastolin Masse Elastolin 10cm 3tes Garde Ulanen Regiment 1912 bis 1914 Sammlung A. Schröder

Besonders charakteristisch für diese frühe Phase ist der grüne Sockel der Pferde, der später dann in Steingrau gehalten wird. Bei den Kavalleristen dieser Epoche gibt es an den Pferden keine Lasche für den Blechsäbel. Die Figuren dieser Serie hatten einen an der Reiterfigur an modellierten Säbel. Das Zaumzeug aus Zinn ist ebenfalls relevant, da es wenig später, bei Einführung der 10 cm Figuren mit eckigen grauen und markierten Sockeln, durch Zaumzeug aus Blech ersetzt wird.

Die Abgrenzung zu Lineol ist durch dieses Detail absolut eindeutig zu klären, den obwohl die ganz frühen Hausser-Rosse den ebenfalls grün besockelten Lineol-Pferden ähneln, nutzte Lineol stets einen Blechdraht, später dann ein dünnes Blechband, das die Zügel nachempfand.

 

Hausser Masse Figuren Figurenmuseum Standardserie Bayerisches Chevauleger Regiment 1912-1914 Elastolin 10 cm

Die 10 cm Serie

figurenmuseum  Elastolin 10 cm Masse Bayerisches Garde Ulanen Regiment 1912-1914 Elastolin 10 cm Sammlung A. Schröder

Was dann etwa ab 1912 in die Spielzeugläden ausgeliefert wurde, sprengte den bis dahin eher engen Rahmen und umfasste nun so ziemlich alles, was das deutsche Heer an Kavallerie-Regimentern zu bieten hatte. Ulanen, Husaren, Dragoner (diese in Parade- und Felduniform), garde du Corps, Kürassiere, Schwere Reiter, Jäger zu Pferd, teils im Schritt, teils auch in Kampfpose. Man mag dem Angebot des Marktes entnehmen, dass Dragoner und Husaren besonders beliebt waren und auch heute noch zahlreicher verfügbar sind als Ulanen und gardes du Corps. Echte Raritäten sind Exoten der einzelnen Staaten des Deutschen Reichs und kämpfende Kavalleristen aller Couleur.

Preussen Dragoner 1912-1914 Elastolin 10 cm Sammlung A. Schröder

Neben normalen Kavalleristen gab es Offiziere und Regimentshauptleute sowie Reitermusiker, wo das einen Sinn ergab. Auch diese letzteren sind recht selten, wobei die Kesselpauker sowohl besonders nachgefragt, als auch besonders selten sind.

Nicht selten wird die Frage gestellt, bis wann den diese Figuren hergestellt wurden. Die Antwort ist nicht ganz eindeutig, da es 10 cm-Formen auch noch in Feldgrau gibt, wobei hier allerdings davon auszugehen ist, dass es sich um Restbestände handelt,  die aufgrund der grossen Nachfrage bei Kriegsausbruch einfach umbemalt und den 10,5 cm-Kameraden zugeschlagen wurden.

 

Figurenmuseum Hausser Elastolin Standardserie 10 cm Masse Hausser Standardserie Reiter Husaren um 1914

Die 10,5 cm Serie

Figurenmuseum Masse Figuren Hausser Elastlolin 10,5 cm Offizier 10,5 cm 1914 bis 1918 Sammlung A. Schröder

 

 

 

 

 

Um 1914, noch vor Ausbruch des Weltkrieges, wurde diese Serie eingeführt, offenbar während die 10 cm Figuren noch in den Regalen standen. Was bis eben noch recht knochig und scheinbar abgemagert schien, kam nun wohl genährt und pausbackig daher. Dem kaiserlichen Heer schien es also an ausreichender Verproviantierung nicht zu mangeln. Kein Wunder, die Truppe wurde erheblich erweitert. Koch und Bäcker kamen hinzu, was sich offenbar auch auf die Reiterei positiv auswirkte. Neben die klassischen Pferden der 10 cm Serie, die weiterhin Verwendung fanden, traten nun zunächst ein paar neue, etwas weniger Hunger leidende Tiere. Es gibt eine kurze Übergangsphase mit eher seltenen Pferde-Varianten, um dann von denenen ersetzt zu werden, die bis 1930 Verwendung fanden. Auch gab es nun, wohl um das Kampf-Sortiment zu erweitern, gefallene Pferde und stürzende Reiter, die so ziemlich zu den allergrössten Raritäten im Hausser-Pferde-Sortiment zählen.

Figurenmuseum Hausser Elastolin Kesselpauker Kesselpauker der 10,5 cm Größe um 1920 bis 1932 Hausser Elastolin

Die Reichhaltigkeit des Kavallerie-Sortiments wurde stark erweitert, allerdings wurde das Offizierskorps stark ausgedünnt. Regiments-Kommandeure aus dieser Zeit und in dieser Größe sind nicht bekannt. Die Reitermusiker wurden – teils neu modelliert – beibehalten (um nach 1920 nochmals neu modelliert zu werden). Husaren, Ulanen und Dragoner-Musik ist bekannt, sowohl in Friedensuniform als auch in Feldgrau. Hierbei handelt es sich stets um sehr spezifische Modellierungen, die nicht nur jeweils anders bemalt wurden. Nein, Husaren bekamen ihre modellierte Ulanka, Ulanen ihre klassische Uniform mit dem unverwechselbaren Schnitt, Kürassiere erkennt man an den besonders hohen Reiterstiefeln.

garde du Corps von 1912 bis 1914 10 cm Hausser Elastolin Sammlung A. Schroeder

Wohl als Antwort auf den Kriegsausbruch kam eine ganze Reihe von Kampfposen hinzu, die Kavallerie durfte auch In 10 cm zur Attacke blasen. Es gibt mehrere Ausführungen von Trompetern im Angriff in dieser Serie, Offiziere, Standartenträger, Lanzenreiter, Husaren, Kürassiere, Dragoner und Ulanen. Diese Figuren sind heute fast durchwegs unter die Raritäten zu zählen, wenn auch mit Ausnahme des angreifenden Kürassiers mit eingelegter Lanze. Verschiedene “fliegende” Pferde, die bereits in der 10 cm Serie Verwendung fanden, gaben der Reiterei die nötige Dynamik. Dass die die zunehmende Körperfülle der Reiter nachteilig auf die Proportionen und zu ungunsten der armen Tiere auswirkte, schien niemanden zu stören (es war ja nur Spielzeug).

 

Husaren Offzier 3. Husaren Regiment 1912-1914 Elastolin 10 cm Sammlung A. Schröder

Was in dieser Zeit (1914-1915) genau noch an Friedensuniformen herausgebracht wurde, ist schwer zu klären. Die Infanterie lässt sich zwar sehr eindeutig zeitlich einordnen, zumal die Farbe erehblich anfällig ist und schon hierdurch klare Schlussfolgerungen in Bezug auf den Produktionszeitraum zulässt, die Kavallerie bleibt zumeist feldgrau.

 

Am Beispiel der Husaren mag gezeigt werden, wie ein und dieselbe Form sowohl für Friedensuniform als auch für die Felduniform (fehlender Federbusch) genutzt wurde. Der Federbusch wurde einfach abgekniffen und die Figur dann in Feldgrau bemalt. Dass die Friedensform dann zwischen 1928 und 1930 wieder aufgelegt wurde, unter Beibehaltung der alten Form, mag den Sammler verwirren, in der Vitrine stört dies Nebeneinander der 15 Jahre auseinanderliegenden Kameraden aber wenig.

 

Da der Stahlhelm auch an der Front erst 1915 zögerlich eingeführt wurde, darf nicht erstaunen, dass das Kinderzimmer während des gesamten Krieges wohl nur mit Pickelhauben beliefert wurde. Die uniformtechnische Modernisierung fand erst nach 1918, wohl ab 1920 statt.

Spätere Fertigung nach 1920

Elastolin 10 cm Husar Musikern 1912-1914 Husarenregiment 12 oder 13

Die Einführung des Stahlhelms nach 1920 war natürlich der neuen militärischen Realität geschuldet und die Figuren verkauften sich auch prächtig nach Österreich und in die Schweiz. Insgesamt setzte Hausser in den Zwischenkriegsjahren ohnehin verstärkt auf den Export, um an Devisen zu kommen, was auch die große Menge amerikanischer und englischer Uniformen bei den erhaltenen Figuren zwischen 1920 und 1930 erklärt.

 

Auch mit Stahlhelm führte der deutsche Reiter von Hausser weiterhin zumeist die deutsche Stahlrohrlanze mit Landeswimpel mit sich, allerdings gab es auch verstärkt Soldaten mit umgehängtem Karabiner. Abgesehen davon und abgesehen von der Reitermusik, die nun der Reichswehr-Uniform nachempfunden wurde, gab es kaum Neuheiten im Hausser-Sortiment. Allerdings wurde ab etwa 1928 das Vorkriegs-Sortiment bis etwa 1930 kurzzeitig reaktiviert und durch verschiedene neue oder 1914 nicht mehr herausgebrachte Modelle ergänzt. Es handelt sich hier allerdings ausschliesslich um Parade-Figuren und Kavalleristen im Schritt.

Figurenmuseum Hausser Masse Elastolin 3. Garde Ulanen Regiment 1914 bis 1918 Hausser Elastolin 10,5 cm Serie Sammlung A. Schroeder

Bewertung und Einordnung

 

Die mit Abstand billigsten Figuren sind die sparsam und unschön bemalten Soldaten der Reichswehr (mit Schnurrbart), die dann ab 1928 von einer detaillierter bemalten Reichswehr-Variante (ohne Schnurrbart) abgelöst wurden. Zwar bleiben die Formen zwischen 1920 und 1930 weitgehend gleich, allerdings gibt es erhebliche Qualitätsschwankungen. Diese sind heute preisentscheidend.

In der Regel oszillieren Standard-Reiterfiguren von Hausser in dem besprochenen Produktsegment 10-10,5 cm Maßstab zwischen 40 und 100 Euro, je nach Zustand und Qualität der Bemalung. Bunte, gut erhaltene  und komplette Figuren (mit Lanze, Lanzenwimpel und Säbel) sind ab 100 Euro anzusetzen, können aber durchaus bis zu 300 Euro klettern, seltene Uniformen rechtfertigen diesen Preissprung.

Raritäten können sowohl im Internet als auch bei Auktionen durchaus bis 500 Euro und mehr erzielen.

 

Die jahrelang sich rückläufig entwickelnden Preise scheinen sich in der letzten Zeit wieder zu erholen, dies ist jedenfalls in Bezug auf besonders gut erhaltene und ausgesprochen seltene Figuren zu beobachten, wo die Preise bisweilen “durch die Decke” gehen. Für Sammler, die Wert auf Wertentwicklung legen, ist das ein Hoffnungsschimmer.

Elastolin 10,5 cm Preußen Husar zu Pferd 1914-18 Sammlung A. Schroeder
Figurenmuseum Hausser Elastolin Elastolin 10,5 Preußen Jaeger zu Pferd 1914 Sammlung A. Schroeder

Erhaltung

 

Während die 10 cm Serie zwar schrumpfungsfreudig bei deutlichen Temperaturschwankungen ist, was zu starken Farbverlusten führen kann, ist diese Serie fast nie von Wurmfraß bedroht. Dies ist jedoch ein riesiges Problem bei den 10,5 cm Figuren, die man sich lieber vor Erwerb genau anschauen, nach Erwerb längere Zeit in einem luftdichten Plastikbeutel in Quarantäne schicken und erst danach (nach erneuter Begutachtung) in die Vitrine stellen sollte. Nicht alle Wurmlöcher sind unbewohnt. Wer ein potenziell wurmbefallenes und lochintensives Speicherkonvolut erwirbt, sollte die Figuren getrennt in luftdicht verschließbare Klarsichtbeutel einschließen und sie eine Zeitlang sich selbst überlassen. Man kann dann sehr schön ablesen, ob und wo sich Holzmehl ansammelt.

 

Das Material, also die Masse, ist innerhalb der 10,5 cm Serie alles andere als homogen. Es gibt ausgesprochen leichte und ausgesprochen schwere Figuren. Dies liegt an der Mangelwirtschaft während des 1. Weltkrieges, die Hausser zwang, die Basis-Rezeptur der hauseigenen Masse zu verändern und anzupassen. Die “schweren” Figuren neigen nicht zu Wurmbefall, die “leichten” hingegen sehr. Das gilt leider auch für späte Soldaten aus der Zeit zwischen 1928 und 1930.      

Hausser Masse Elastolin figurenmuseum Elastolin 10 cm Husar Musikmeister 1914 bis 1918 Sammlung A. Schröder