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Von den « Festungsssoldaten » zur « Normal-Größe »

 Bei Ausbruch des  1. Weltkrieges hatte die Firma Hausser bereits angefangen, das Sortiment von 10 cm auf wohlgenährte 10,5 cm umzustellen und die “alten”, leicht magersüchtigen Figuren ab zu verkaufen. 1914 brachte dann das endgültige “Aus” der bunten Uniformen und feldgraue Männlein füllten von nun an die Regale der Spielzeugläden (jedenfalls bis 1925, als wieder kaiserliche Farbtupfer in das Sortiment aufgenommen wurden, um dann nach 1932 komplett zu verschwinden). Eigentlich hatte die Heeresreform von 1911 bereits die graugrünen Röcke auch in Friedenszeiten festgeschrieben, doch war der von aller höchster Stelle angeordnete Farbverlust unpopulär und besonders bei Kindern unbeliebt. Aber Krieg ist nun einmal kein Kinderspiel und des kaiserlichen Heeres neue Kleider wurden nun resolut monochrom.

 Wann genau es den Entwicklern bei Hausser einfiel, die großen Kameraden um kleinere Brüder der “0”-Serie zu ergänzen, wird wohl für alle Zeiten ein Geheimnis bleiben. Dokumentarisch scheint nichts erhalten zu sein, man muss also mit Spekulationen vorlieb nehmen, oder den Indizien folgen. Wahrscheinlich ist, dass der Entschluss, auch eine kleinere Serie herauszubringen, spätestens mit Kriegsausbruch getroffen wurde, zumindest scheinen die zunächst entwickelten Figuren diesen Schluss nahe zu legen. Entwicklung und anlaufender Verkauf dürften wohl in die Jahre 1915/16 fallen. „Nichts Genaues weiß man nicht.!“  Bemerkenswert ist, dass zu etwa dem gleichen Zeitpunkt auch die Wiener Firma Emil Pfeiffer (TippleTopple) eine Serie in diesem Maßstab herausbrachte. Deutsche, Österreicher und andere Nationen tummeln zusammen sich mit Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph als kleinere Versionen der 10,5 cm Serie von Pfeiffer. Eine Zusammenarbeit zwischen Hausser und Pfeiffer zu diesem Zeitpunkt ist nicht anzunehmen und es lässt sich auch nicht mehr nachvollziehen, wer hier den Stein ins Rollen brachte, allerdings muss man wohl Wien zu Gute halten, dass man bereits mit den Miniaturserien gut aufgestellt war und der Schritt in den militärischen Themenbereich spätestens ab Kriegsausbruch 1914 erscheint logisch.

 Die Gestaltung der kleinen Hausser-Serie, die mit einer Figurengröße von etwa 5,5 cm anfing (um sich später bis zu 6,5 cm zu strecken) orientiert sich eindeutig an den Modellen der 10,5 cm Serie, so dass man diese kleineren Vertreter der Gattung “Figur aus Hartmasse” als Ableger der damaligen Standardserie verstehen kann.

Geschenkkartons, die die Zeiten überdauert haben, zeigen, dass auch bei der kleinen Serie die klassischen Hausser-Zusammenstellungen beibehalten wurden: Marschierer mit Offizier, Fahnenträger, Trommler und Pfeifer. Bei Parade-Aufmachungen allein sollte es nicht bleiben.   

 Die ersten Figuren dieser Serie zeichnen sich durch einen leichten Hang zu Charakteristika von so genannten halbplastischen Figuren aus. Der erste Offizier, der erste Fahnenträger und der erste Infanterist im Sturm entstammen Verhältnismäßig einfachen Formen und der Gestaltung der Männlein ist unschwer zu entnehmen, dass Hausser sich mit dem kleinen Maßstab am Angang etwas schwer tat.   

 Es gibt ein paar seltene Figuren einer Zwischengröße in 7,5 cm, die sich ebenfalls an den Figuren der Standardgröße orientieren und vielleicht Handmuster aus der Entwicklungsphase der endgültigen Serie darstellen. Dass Hausser die anfänglichen Produktionsschwierigkeiten meistern und dann doch halbwegs attraktive Figuren auf den Markt bringen konnte, beweist die große Menge an 5,5 cm Figuren, die sich offenbar dann doch gegenüber ihren 7,5 cm Kameraden durchsetzen konnten, die dann nicht in Serie gingen.

Die frühe Phase der “0”-Serie kann man durchaus berechtigterweise, wenn auch leidlich ketzerisch als 5,5 cm Figuren bezeichnen. Die Köpfe der Soldaten sind kleiner als die ihrer Kameraden nach 1920, denen durch den “Wasserkopf” etwas Puppenhaftes anhaftet, was die Militaria-Sammler in der Regel etwas abschreckt und dafür sorgt, dass das besprochene Sammelgebiet bis heute eher stiefmütterlich behandelt wird. Die 5,5 cm Figuren haben also insgesamt gefälligere Proportionen als ihre 6 und 6,5 cm Nachfahren, wodurch sie relativ leicht zu identifizieren sind.

 Während bei deutschen Figuren der Pickelhelm ein klares Indiz für diese frühe Phase (bis 1918) liefert, ist es bei anderen Nationen zumeist die Größe der Köpfe, gelegentlich auch der Uniformfarbe. Als Beispiel mag man hierzu die Italiener anführen, deren frühe Vertreter in einem unattraktiven blaugrau daher kommen, während die Italiener (Hier handelt es sich in beiden Fällen zumeist um Bersaglieri) ab 1920 mit einem frischen Grünton und einer detaillierteren Bemalung auftrumpfen.

Sortiment

Die wohl größte Vielfalt innerhalb der “0”-Serie findet sic im Lazarett-Bereich. Neben den klassischen Verwundeten am Baumstamm, den Krankenträgern mit Bahre und den zierlichen Krankenschwestern, findet man geradezu niedliche Elemente, wie den winzigen Sanitätshund, der in dieser Serie mit Sockel daherkommt. erheblich seltenere Stücke, wie die Verbundgruppe mit  Verwundetem auf Baumstamm mit Krankenschwester, der Arzt sich zu einem liegenden Verwundeten herunterbeugend und die diversen Gruppen, in denen Verwundete Krieger von ihren Kameraden zum Verbandsplatz geschleppt wurden. Diese als kleinere Kopien ihrer 10,5 cm großen Vorbilder. Was innerhalb der großen Series schon selten ist, lässt sich als 5,5 cm Figur noch seltener finden. Das gilt nicht nur für Lazarettfiguren.

Die Vielfalt der kämpfenden Soldaten deckt sich in etwa mit der Bandbreite der 10,5 cm Serie. Stürmende Offiziere, die schon bald nach der ersten Serie schnell die Ballerina-Pose erlernten und nun auf einem Bein stehend mit vorgerecktem Säbel der Truppe voranstürmen, um dann nach 1920 endgültig wieder auf zwei Füßen zu landen. Soldaten, die kniend, liegend und stehend schießen, Stürmer, Handgranatenwerfer und verschiedene mit Gewehr schlagende Figuren sind bekannt (mit Kolben und mit Gewehrlauf voran). Selbst der kniend mit der Pistole schießende Offizier fehlt nicht.

Die seltenen multinationalen Verbundgruppen aus dem Lazarett- und Gefechtsbereich sind ebenfalls im 5,5 cm Sortiment zu finden. Allesamt echte Raritäten.

Als besonders selten und als Sortimentserweiterungen gegenüber der 10,5 cm Serie besonders interessant sind beispielsweise der schießende Motorradfahrer, der als Russe und Österreicher überliefert ist und natürlich der liegende MG-Schütze, der vermuten lässt, dass es auch einen Munitionsschützen geben sollte.

Innerhalb der 5,5 cm Kavallerie muss man – genau wie bei den 10,5 cm Figuren – weder auf Husaren, Dragoner oder Ulanen verzichten. Und..ja…selbst Matrosen im Marsch gibt es bei der kleinen Serie in ihrem frühen 5,5 cm Stadium.

Der Generalstab ist durch einen stehenden Offizier und die Persönlichkeitsfigur Hindenburgs vertreten und bleibt bis 1932 überschaubar. Der stehende Offizier mit Schirmmütze ist ausschließlich als 5,5 cm Figur zu finden und hat es nicht in das Sortiment der 20er Jahre geschafft. Hindenburg durfte bleiben.

Ausländische Armeen werden innerhalb der “0”-Serie erheblich weniger gut abgedeckt als bei der 10.5 cm Serie. Zwar dürfen weder Turkos noch Zuaven fehlen und sogar Exoten wie die beiden kriechenden und meuchelnden Inder sind vorhanden, allerdings gibt es ansonsten wenige Sonderfiguren, was ganz klar darauf verweist, dass hier tatsächlich keine Exportware konzipiert wurde, sondern lediglich “Feinde” für das deutsche Kinderzimmer produziert wurden. Immerhin: man findet neben Deutschen auch Briten (und dazugehörige Inder), Franzosen, Russen, Österreicher, Italiener, Dänen, Belgier, Bulgaren und Serben in dieser frühen Phase. Erst ab 1920 kommen dann auch Schweden und weitere Nationen hinzu. Zwar wird nach 1920 das Sortiment insgesamt resolut zurechtgestutzt. Die “0”-Serie verliert Exoten und viele Lazarett-Figuren und wird dafür mit Entschlossenheit auf Exportartikel getrimmt. Hausser brauchte eben Devisen.

Zubehör

Zwar sind die Gespanne, Bunker und Gräben der “0”-Serie bis 1932 weitgehend bekannt, jedoch ist unklar, was bereits während des Ersten Weltkrieges an Zubehör erhältlich war. Es gibt verschiedene Graben-Elemente, die aufgrund ihrer Gestaltung und Proportion durchaus zu der Serie passen könnten, Gewissheit gibt es hier aber leider nicht. Kein Stempel, keine Markierung ziert diese Stücke. In Bezug auf die Gespanne und Kanonen, darf man getrost Davon ausgehen, dass die recht mageren Pferde der 5,5 cm Phase ein schlüssiges Indiz liefern, welches Gespann den schon damals in den gespielten Krieg ziehen durfte. Originalfunde sind hier natürlich die einzigen verlässlichen Quellen. Ankäufe aus dritter oder vierter Hand können umgesteckt oder umsortiert worden sein. Aufsitzer für diese frühen Gespanne sind selten, lassen sich aber problemlos anhand des bereits erwähnten kleineren Kopfes identifizieren.  

Preise

Das Sammelgebiet liegt weitgehend brach. Die Figuren, die zwischen 1920 und 1932 produziert wurden sind – mit Ausnahme der dänischen und britischen Gardefiguren eher unattraktiv und Masse-Sammler lassen es zumeist bei ein paar Beleg-Exemplaren bewenden. Marschierer dieser Phase sind Massenware, auch heute noch. Es gibt sie mit grauen und grünen Sockeln, wobei die grünen Sockel wohl das Billig-Sortiment darstellten. Die Figuren sind nachlässig bemalt, gelegentlich produktionsbedingt leicht deformiert, was auf eine “zweite Wahl” schliessen lässt. Wer Konvolute kauft, landet hier nicht selten in einem Bereich von einem Euro pro Stück oder weniger. Als “Spekulationsobjekt” gibt die “0”-Serie zwischen 1920 und 1932 also absolut nichts her.

Die frühen 5,5 cm Figuren der “0”-Serie sind erheblich seltener als ihre jüngeren Brüder und wer gezielt sammelt, wird lange brauchen um eine respektable und homogene Gruppe zusammen zu stellen. Wenn hier sich zwei Sammler um ein seltenes Figürchen streiten, kann der Preis durchaus durch die Decke gehen. Der Motorradschütze wurde bereits zwischen 150 und 275 Euro gehandelt, Verbundgruppen und andere Raritäten können je nach Zustand und Interessenslage ebenfalls die Hunderter-Marke knacken. Ansonsten bewegen sich die Preise auf moderatem Niveau und sind im Konvolut zu Preisen zwischen 2 und 30 Euro pro Figur zu erstehen. Das Handelsvolumen für diese frühen Männlein ist gering, so dass sich ein Preiskatalog eigentlich auf ein diskretes “LP” zurückziehen könnte. Das Figuren-Museum wird aber versuchen, reale Marktpreise zu liefern und die Relation zwischen seltenen und häufigen Figuren abzubilden.